Heinze will in Herford wachsen
Der Kunststoff-Spezialist investiert - und bereitet weitere Investitionen vor
VON HARTMUT BRAUN( www.nw-news.de ) 23.07.2011
Herford. Millionen Autofahrer fahren mit Kunststoffteilen aus Herford durch die Welt. Mittelkonsolen für den Porsche 911, Heckteile für den Opel Zaphira, Schlüsselgehäuse für viele Ford-Modelle, Zierblenden, Kühler-Grille, Armaturengehäuse für BMW und Mercedes: Die Firma Heinze spritzt, lackiert, verchromt, beschichtet und bedruckt sie. Das Unternehmen expandiert - und hat große Pläne.
Nach schwierigen Jahren mit Auslastungsproblemen und Verlusten sind die Kapazitäten der GmbH mit Sitz in Herford und einem zweiten Standort in Sachsen wieder ausgelastet. "Seit 2009 machen wir Gewinn", berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Tilmes.
Er schaffte 2010 einen Umsatzsprung um 42 Prozent und meldet für das 1. Halbjahr 2011 einen weiteren Zuwachs um mehr als 20 Prozent. Tilmes: "In diesem Jahr wollen wir 60 Millionen Euro erreichen - und die Belegschaft auf etwa 500 aufstocken."
330 Jobs gibt es in Herford: Heinze, eine Firma mit 80-jähriger Tradition, ist damit nach wie vor einer der größten industriellen Arbeitgeber in der Stadt.
Gerade profitiert der Betrieb vom aktuellen Auto-Boom. Fast alle deutschen Automarken lassen Kunststoffteile in Herford fertigen. Heinze hat aber auch wieder Kunden außerhalb der Automobilbranche gewonnen, etwa Hersteller von weißer Ware, Telefonschalen oder Akkugehäuse.
Derzeit macht Heinz 80 Prozent seines Umsatzes mit Autoteilen. Durch neue Kunden und Wachstum anderer Branchen soll dieser Anteil auf Dauer bei 60 bis 70 Prozent landen.
In den Werkshallen zwischen Eupener und Hochstraße, wo 22.000 Quadratmeter unter Dach sind, stehen neben 55 Spritzgießanlagen (von 25 bis 800 Tonnen) eine große Lackieranlage, zwei Galvanik-Straßen sowie Systeme für Tampondruck, Laserbeschriftung, IMD-Folien- Spritzgießtechnik. "Produktionsstätten mit dieser Komplexität gibt es nicht so viele", sagt der für den Non-Automotive-Vertrieb verantwortliche Eberhard Schepers. Heinze hat außerdem einen eigenen Werkzeugbau.
Inhaber Tilmes hat keinen Zweifel, dass er mit seiner Firma in Herford an der richtigen Stelle ist: "Wir können an diesem Standort kostengünstig produzieren", entgegnet er Kritikern. "Hier können wir alles aus einer Hand anbieten".
Im sächsischen Oberlungwitz wird gerade eine weitere Galvanikanlage installiert, die im nächsten Monat in Serie produziert. Doch auch in Herford wird in die langfristige Standortsicherung investiert.
Gerade bereiten Techniker die Installation einer 700.000 Euro teuren Abwasseranlage vor. Mittelfristig sieht Tilmes auch die Notwendigkeit, eine weitere Produktionshalle zu bauen - für eine neue Galvanik, für weitere Spritzgießmaschinen und/oder für den firmeneigenen Werkzeugbau, der derzeit noch in Bad Salzuflen zu Hause ist.
Eine solche Multifunktionshalle soll auch ein neues Technikum beherbergen. Platz für die Erweiterung ist da - zum Beispiel auf dem jetzigen Firmenparkplatz, der dazu auf die andere Seite der Hochstraße auf den früheren Sportplatz verlegt werden müsste.
Zur Finanzierung der Erweiterungen sind die aktuellen Gewinne vorgesehen: 1,5 Millionen waren es im letzten Jahr, in diesem Jahr soll sich das Ergebnis verdoppeln. Tilmes: "Jeder Cent fließt ins Unternehmen zurück".
Die Weichen für eine Änderung der Bauleitplanung und damit für die Weiterentwicklung von Heinze am angestammten Standort hat der Bauausschuss inzwischen gestellt - nach dem Vorbild von Herforder Industriebetrieben wie Sulo und Ernstmeier.
Auch die entwickeln sich, in guter Nachbarschaft zu Wohngebieten, an ihren "historischen" Standorten weiter.
Quelle: www.nw-news.de
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